Zweite Weltkonferenz zum Erziehungs- und Bildungsrecht

Aus der ganzen Welt kamen die Teilnehmer und um sich mitzuteilen und zu vernetzen: Juristen, Experten, engagierte Personen aller Religion und Sprachen.

Programm / Teilnehmer

Organisiert von der
EUROPEAN ASSOCIATION FOR EDUCATION LAW AND POLICY (ELA),
UNESCO RIGHT TO EDUCATION CHAIR AT THE COLLEGE OF EUROPE,
University of Antwerp,
FREE University of Brussels, in Zusammenarbeit mit regionalen ELAs.
Finanziert durch die Regierung von Luxemburg und die Europäische Kommission.
 

8-10/11/2012 – Brüssel

 
Es würde riesig werden.
Anders war es nicht vorzustellen:

Prof. Jan de Groof, Experte in Erziehungsrecht und Berater der EU-Legislative, hat zur zweiten „Weltkonferenz über das Recht zur- und die Rechte in der Erziehung“ nach Brüssel eingeladen – nachdem eine erste solche Konferenz im Jahr 2004 stattgefunden hat. Es geht dabei um den weltweiten juristischen Aspekt einer breiten Reihe von verschiedensten Themen aus dem Bereich schulischer Erziehung und Elternrechte, und in dieser Hinsicht um weltweite Vernetzung.

Vorträge im Parlament der Föderation Wallonie-Brüssel

Der Einladung zu dieser Konferenz gingen bereits im Februar 2012 gute Gespräche zum Thema Erziehungsrecht anlässlich der „Konferenz über Elternrechte in der schulischen Erziehung“ in Antwerpen voraus. Daraufhin hatte ich Gelegenheit bekommen, an der Erstellung einer Europäischen Charta der Elternrechte mitzuarbeiten, konkret zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation in der Schule“.

Etwas später durfte ich im Rahmen von ECNAIS auch international auf die ungewöhnliche Lage der österreichischen Schulen in freier Trägerschaft aufmerksam machen (im Speziellen auf die finanzielle Ungleichbehandlung mit den konfessionellen Privatschulen), sowie auf meine Mitarbeit bei den diesbezüglichen Bürgerinitiativen des Eltern-Aktionskommitees FreieSchulwahl.at.

Beitrag aus Österreich

Die Genehmigung zur Teilnahme setzte voraus, einen eigenen Artikel von mindestens 4000 Worten zu übermitteln. Also begann ich mit dem Verfassen eines 12-seitigen Berichtes über die Situation der österreichischen Schulen in freier Trägerschaft, und schickte in an ELA. Umgehend bekam ich die Zusage für meine Teilnahme zur WELA Konferenz und löste die Flugtickets nach Brüssel.

Viele Artikel wurden verfasst, über unterschiedliche Themen, von Juristen, von Experten, von engagierten Personen, um die Bedingungen für die Kostenübenahme durch die Sponsoren zu erfüllen, und um sich mitzuteilen: Abhandlungen über Religion, Sprachen, Umgang mit Gewalt und über Politik in schulischen Belangen. Aus der ganzen Welt kamen die Teilnehmer: aus Amerika, aus Korea, aus Bulgarien, sie kamen von China über Zimbabwe bis nach Chile und Indien, ganz abgesehen natürlich von den europäischen Ländern, siehe Teilnehmerliste im Programmheft.
Aus dem reichen Schatz an Beiträgen wurden drei E-Books zusammengestellt. Diese stehen HIER („Papers of the Seminar“) zum download bereit.

Elternrechte in der schulischen Erziehung

Unterlagen: Restorative Justice

Beatrice Audétat (A), Jos Goffin (BE),
Georgios Paraskevaidis (GR)
Die Unterlagen….
Tausende Seiten … wo beginnen?

Bereits bei der Anmeldung gab es daher die Option, die für einen selbst interessantesten Themengebiete anzugeben, um Struktur zu schaffen. In meinem Fall waren dies:

1.) Die Elternrechte in der Schulischen Erziehung
2.) Die sichere Lernumgebung.

Das Recht der Eltern auf freie Wahl der Schule entsprechend ihrer Weltanschauung, ohne überhöhte Schulbeiträge zahlen zu müssen, das Recht der Schulen, ihre LehrerInnen selbst auswählen zu dürfen, und ihre Pädagogik in Eigenverantwortung auszuüben zu können, das sind Themen die uns im Förderverband und in FreieSchulwahl derzeit beschäftigen.

Pia Amacher Elternlobby.ch
Über diese Themen sind wir auch verbunden mit KollegInnen aus anderen Ländern, zum Beispiel mit Pia Amacher aus der Schweiz, Gründerin der www.Elternlobby.ch, die ebenfalls diese Konferenz besuchte.

Immer wieder inspirierend ist der Kontakt mit KollegInnen aus den nördlichen Ländern: Hier können wir beobachten wie es möglich ist, den Charakter der Schule durch Selbstevaluation transparent und nachvollziehbar zu machen, – unnötigen Stress in allen interschulischen Beziehungen zu vermeiden, und dadurch optimale schulische Voraussetzungen zu bieten.

Das Recht auf eine sichere Lernumgebung betrifft nicht nur die physische Sicherheit, sondern viel bedeutsamer noch: die emotionale Sicherheit.

Beatrice Audétat (Innovative Bildung, FreieSchulwahl.at, A),
Radka Karagiozova (Bulg. Assoc. of Private Schools, BU),Per Kristensen (Treasurer ECNAIS, DK)

Hier befindet sich ein Ansatz zu einer weiten Reihe von Themen, die so umfangreich ist, dass für sie wohl eine eigene Konferenz abgehalten werden muss.
Teil des Auditoriums der Vorkonferenz: Interessenten an einer „Charta der Elternrechte“.

Gespräche zur Idee, eine solche zu organisieren sind bereits im Laufen.

Zu jedem Thema wurden in der Folge spezielle Vorkonferenzen organisiert, für diese wurden dann Leiter, Referenten und Protokollführer gesucht.

Einige Tage vor der Konferenz rief mich Jos Goffin, Vizepräsident von CEPEC, der größten europäischen Vereinigung katholischer Eltern, aus Belgien an, berief sich auf unsere gemeinsame Teilnahme an der Konferenz zu den Europäischen Elternrechten (Feb. 2012) in Antwerpen und bat mich, das Protokoll dieser Vorkonferenz zu führen, anschließend vor Ort eine Zusammenfassung zu erstellen, und diese vorzutragen. Mit Freude nahm ich dies an.

Das von mir verfasste Protokoll und persönliche Resumé (nachzulesen HIER: http://www.innovative-bildung.at/elternrechte_in_der_erziehung/ ) wurde sehr positiv aufgenommen, und ging in das Gesamtprotokoll der Konferenz ein.

Summary of the discussion on Parental Rights

Eine vollkommen neue Perspektive der Grundlagen von Bildung eröffnete sich in einer alarmierenden Erkenntnis:

Wenn eine vertrauensvolle Beziehung die Grundlage für jeden Lernprozess ist, – wenn wir dann vergegenwärtigen, dass es auf unserer Erde Millionen von Jugendlichen gibt, denen solch eine Vertrauensverbindung fehlt – dann müssen wir erkennen, dass diesen Kindern diese grundlegende Voraussetzung für Bildung fehlt.

Durch authentische Berichte wurden mir die Augen geöffnet für die Problematik der „Kinderfamilien“, Familien die sich ausschließlich aus Kindern zusammensetzen, weil keine erwachsenen Bezugspersonen vorhanden sind.

Die Implikation dieser Tatsache ist klar:
Im Grunde brauchen wir Heerscharen von Sozialarbeitern, welche diesen Kindern vertrauenswürdige Beziehung zu Erwachsenen ermöglichen, und zwar as Grundlage für jede Form von Bildung: dass sie bereit und willens sind zu lernen, ihr Leben selbst zu gestalten.

Vielfältig war der Einblick, der in informellen Pausengesprächen zu gewinnen war:

Die Möglichkeit, mit Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt Kontakt aufzunehmen war eine überaus erfreuliche Perspektive. Festzustellen, dass man bei einem Glas Wein mit einer Vertreterin freier Schulen aus Chile über schulpolitische Themen sprechen kann, die beide gleichermaßen betreffen, zusammen mit der Kollegin aus der Schweiz … oder über Erfahrungen in Schulen Nigerias aus erster Hand zu hören … kulturelle und geschichtliche Hintergründe daran aufzufrischen, und direktes Verständnis zu gewinnen … es waren faszinierende Tage.

Interview mit Mariette Reineke: „Restorative Justice“ Ein Artikel in deutscher Sprache ist in Vorbereitung.

Aus dieser Vielfalt tauchte für mich aber bald ein weiterer Anhaltepunkt auf, ein Weg inmitten der großen Menge der Themen dieser Konferenz:

Beim Durchsehen der E-Books war mir nämlich sofort ein spezieller Artikel ins Auge gesprungen: Mariette Reinekes Bericht über die juristische Implikation von Methoden der „Restorative Justice“. Dies wurde für mich fortan mein Hauptthema:

Restorative Justice …

THE RIGHT TO DIGNITY AND RESTORATIVE JUSTICE IN SCHOOLS

Mariette Reineke ist Juristin aus Südafrika, mit reicher Erfahrung als Pädagogin. Sie arbeitet zusammen mit ihrem Mann in sozial schwierigsten Umgebungen und kann von wunderbaren Erfolgen berichten. Ihre Artikel sind hervorragend: Reineke argumentiert die Notwendigkeit von Methoden, die sowohl dem Opfer als auch dem Täter tatsächliche Wiedergutmachung ermöglichen mit der bereits vorhandenen Einbindung der Menschenrechte in nationale Gesetze, vornehmlich mit dem „Recht auf Würde“.Demnach ist die tatsächliche Wiederherstellung einer intakten Beziehung zwischen Opfer und Täter ein Ziel, dessen Erreichen juristisch begründet werden kann.

Hier wird ein Ausweg aus jener Gewalt praktiziert, die uns noch immer auf verschiedene Weise in der Schule begegnet, je nach sozialem Umfeld, auch als „mobbing“ und „bullying“.

Vorläufig sei hier ein Artikel Reinekes in englischer Sprach verlinkt – ein Bericht über Restorative Justice auf foerderverband.at ist aber in Planung. Auszüge aus den vorliegenden Artikeln und aus dem Interview werden dort dann in deutscher Sprache zu lesen sein. „Restorative Justice“ ist jedenfalls ein Wort und ein Thema, dem jetzt und zukünftig große Beachtung gebührt.

Ein reicher Vorrat an Themen

ELA – Weltkonferenz im Senat des Belgischen Parlaments

Eine Reihe von Vorlesungen aus aller Welt stand am Programm, gehalten wurden diese in den verschiedenen Parlamentsgebäuden und Versammlungsräumen Brüssels. Die Fußwege zu den verschiedenen Veranstaltungsorten gestalteten sich wieder als gute Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Wahl dieser Räumlichkeiten und die Qualität des danach angebotenen Abendessens zeigte die Bedeutung und Position, die ELA in Brüssel offenbar zukommt.
Charles L. Glenn, Jan de Groof: „Balancing Freedom, Autonomy and Accountability in Education.“ Volume 1-4.

Am letzten Tag jedenfalls wurde ein vierbändiges Werk vorgestellt, das einen Überblick über die juristische Lage vieler Länder der Welt bietet. In ihm sind wichtige, aktuelle Beiträge maßgeblicher Spezialisten und Schuljuristen zusammengefasst: Eine Neufassung von Charles Glenn, Jan de Groof: „Balancing Freedom, Autonomy and Accountability in Education“, erhältlich HIER und demnächst auch auf Amazon.

Der Förderverband hat eine Ausgabe dieses Werkes erstanden und wir freuen uns, dieses als Referenz und Anregung benutzen zu dürfen. Es dient als Nachschlagewerk, und bietet eine Grundlage für das Verständnis des umfangreichen Themas „Schulpolitik“, auch für Nicht-Juristen.

Auf eine Fortsetzung der Aktivitäten von ELA sind wir in jedem Fall gespannt, und freuen uns darauf, auch weiter als Vertretung österreichischer Schulen in freier Trägerschaft zur internationalen Gemeinschaft beizutragen, und von ihrem ideellen Reichtum profitieren zu dürfen.

… und es WAR riesig!
Ganz klar zu erkennen: Viele Menschen mit viel Idealismus, großen Visionen für ein künftiges, weltoffenes Bildungssystem!

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